Vom Hof des Friedens zum Garten der Erinnerung

 

tirbt ein Mensch, müssen seit Anbeginn wichtige Entscheidungen getroffen werden. Wie und wo soll der Verstorbene die letzte Ruhe finden?  Unterschiedlichste Orte und Formen der Erinnerung und des Friedens ziehen sich durch die gesamte Geschichte der Menschheit, von den Pyramiden angefangen über die oft liebevoll gepflegten oder aber  verwahrlosten individuellen kleinen aneinandergereihten Grabparzellen bis hin zu Urnengräbern oder Seebestattung. In allen Jahrhunderten auch ein lukratives Geschäft. Heute werden von den 5000 Bestattern in Deutschland 15 Milliarden Euro im Jahr umgesetzte – kostet doch heute die Bestattung mit Grabplatz ca. 10 000Euro. 

Seit einiger Zeit allerdings zeichnet sich trotz mancher Widerstände konservativer Kräfte ein neuer Trend ab.Der traditionelle Hof des Friedens wird zu einem groß angelegten Areal in unterschiedlichen Formen, denen aber allen Eines gemein ist: Aus dem Hof wird ein Garten”. Den weitaus größten Teil dieser Gärten hat die Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner mbH aus Bonn mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Projekt „Memoriam Garten“ auf die Beine gestellt, der zur Bundesgartenschau in Schwerin 2009 erstmals präsentiert wurde.

Inzwischen gibt es in Deutschland über 70 solcher Memoriam-Gärten auf kommunalen und kirchlichen Friedhöfen, u.a. auch in Duisburg, Krefeld, Essen oder Düsseldorf. Hier werden auf dem Südfriedhof acht verschieden Beerdigungsformen im 2000qm großen  Memoriam-Garten angeboten, der aufgeteilt ist in einen „Garten der Erinnerung“, einen „Garten der Natur“, einen „Garten der Verbundenheit“, einen „Garten der Farben“ und einen „Fluss des Lebens“. Ein parkähnliches Areal, das nicht nur Hof der Besinnung und Bestattung sein will, sondern auch ein Ort für das Leben, für eine positive Erinnerung an den Verstorbenen und die Kommunikation für die Hinterbliebenen.

Auch bei zahlreichen anderen neuen Friedhofsstätten, dem Garten der Ruhe, dem Garten der Erinnerung oder dem Garten des Friedens in Fürstenzell bei Passau geht es im Grunde um die Idee, den Friedhof aus seinem oft tabuisierten Ort am Rande in ein parkähnliches Areal inmitten der Stadt zu holen, u.U. zwischen Einkaufszentrum und Wohngebiet, Kirche und Schule.

Allerdings hat auch dies seinen Preis. So kostet zum Beispiel ein Grabplatz im “Garten der Erinnerung” 4900 €, inclusive Beschriftung, Erstbepflanzung und jährliche Pflegekosten, bei einer Nutzungdauer von 20 Jahren. Für eine Reservierung müssen mehr als 5000 € hingelegt werden

Einen interessanten Weg der Grabpflege geht auch Kanzem, ein kleines Weinbergdorf in der Saarschleife. Hier wurde ein nicht genutztes Gelände des Friedhofes als Philosophischer Friedhofsgarten angelegt, der die verschiedenen Lebensabschnitte des Menschen von der Geburt bis zum Tod in jeweils individuell gestalteten Friedhofsabschnitten als wichtige, weltliche Kultorte für Menschen darstellen soll. Die Themen sind “Das Werden“- Kindheit und Jugend, “Das Sein“- das Erwachsenenleben, “Das Abschiednehmen“– das Älterwerden und schließlich „Das Paradies“– das Gehen und Sterben.

Zahlreiche andere Projekte versuchen die Würde eines Verstorbenen zu wahren und dabei das Leben nicht zu vergessen. So ist ein Streit um eine neue Trauerhalle auf einem kommunalen Friehof  in Gladbeck entbrannt, in der es kein Kreuz als christliches Symbol mehr gibt, sondern der Pietät auch anderen Religionen Rechnung gertragen werden soll. Alle möglichen religiösen Symbole, ob z.B. für Christen oder Menschen muslimischen Glaubens, werden mit einem Beamer an die Wand projiziert. Für nicht gläubige Menschen entsprechend kein Symbol, denn man kann nicht von vorneherein davon ausgehen, dass jeder hier bestattete Mensch automatisch Christ ist und das Kreuz wünscht.

Die neueste Entwicklung geht hin zum Grab im eigenen Garten zu Hause. Nachdem andere Länder wie Dänemark, Nierlande, Spanien usw. sehr viel liberaler mit dem Ort der Bestattung umgehen, schaffte Bremen als erstes Bundesland den seit 1934 geltenden Friedhofszwang für eingäscherte Tote ab. Seit 2015 kommen in der Freien Hansestadt alle privaten Grundstücke als Orte das Auswerfen der Asche in Frage. Auch dadurch erhält der eigene Garten in Zukunft eine neue Ausrichtung und Bedeutung. Aber das ist dann wieder eine andere (Garten) Geschichte.

               C  Bild & Text Michael Troesser