Die Kunst des Schenkens

Der Netzbeitrag, den Sie jetzt lesen, ist ein Geschenk. Es ist zwar kein „Geschenk des Himmels“, aber immerhin eines Bloggers. Sie haben es gut: Sie können das Geschenk annehmen, lesen oder löschen. Es birgt keinerlei Verpflichtung und erfordert kein Gegengeschenk. Es ist eben ein allgemeines und kein individuelles Geschenk.       

Geschenke haben immer ein Gegenüber, eben den Beschenkten und meistens einen Anlass, der sich aus der Normalität des Alltags heraushebt wie z.B. Geburtstage, Weihnachten oder Gedenktage. Geschenke können aber auch schnell zum – oft lästigen – Ritual oder zur ungeliebten Pflicht werden. Wie kaum etwas Andreres drücken persönliche Geschenke die Beziehung aus, die man miteinander hat. Sie sind Spiegel von Nähe oder Distanz, Pflicht oder Gefühl, Freundschaft, Zuneigung oder Liebe.                                          

Ein persönliches Geschenk kann angenommen oder abgelehnt werden und das Schenken ist nach dem Schenken meist noch nicht zu Ende. Es kann peinlich sein, es kann ein Gegengeschenk erwartet werden, der Beschenkte kann sich freuen, ärgern oder denken: Jetzt hat er nur das geschenkt, was ihm selbst gefällt, ohne einen Moment zu überlegen, ob es auch mir, dem Beschenkten, gefällt. Zum einen weiß man nicht, was man dem schenken soll, der schon alles hat, zum anderen wird vom Beschenkten erwartet, sich zu bedanken, obwohl er sich nicht bedanken will. So können Geschenke auch falsch eingeschätzt werden.     

Über das Schenken wird oft auch ein Mensch klassifiziert, z.B. als „großzügig“, „kleinlich“, „verschwenderisch“, oder auch „kreativ“ oder „fantasielos“. Zwar darf man ein Geschenk nicht einfordern, wohl aber wünschen, wie z.B. ein Fahrrad zum Geburtstag oder eine Puppe zu Weihnachten.                                                                                                           Betrachtet man die hier nur ansatzweise dargestellten vielen Facetten des Schenkens, so stellt man schnell fest: Auch wenn es uns so selbstverständlich erscheint, ist Schenken eigentlich eine große Kunst. Hier kann man viel falsch machen, aber ebenso viel Freude bereiten und die Zukunft z.B. einer Beziehung gestalten, denn Geschenke erhalten, so das Sprichwort, die Freundschaft.                                        

Das größte Geschenk ist für die meisten Menschen sicher das Leben selbst, für viele ein Geschenk Gottes. Ob wir dieses existentielle Geschenk annehmen, wie wir damit umgehen, wie wir uns bedanken und welche Gegengeschenke wir bereit sind, zu geben, bleibt jedem Menschen selbst überlassen. Aus dieser Perspektive wird der Begriff Schenken zu einem theologisch-philosophischen Begriff von grundlegender Bedeutung. Und dabei geht es nicht nur um das Leben als Geschenk, sondern auch das Ableben, denn für viele Menschen ist auch der Tod ein erlösendes Geschenk. 

Doch kehren wir zurück auf die profane Ebene des Alltags. Wenn Sie nicht sicher sind, was Sie wem schenken wollen, sollen, können oder müssen, sehen Sie doch einmal ins Internet. Hier gibt es unter dem Begriff: „Geschenk“ ca. 80 Millionen Google-Hinweise. Unter dem Motto: “So easy geht happy“ hält z.B. https://www.geschenke.de/ in 17 Kategorien 10 000 Geschenke für Sie bereit: Zu jedem Anlass, zu jeder Person. Wenn Sie kein Internet haben oder hier nichts finden, schenken Sie doch einfach einmal ein wenig mehr Zeit, Respekt oder Aufmerksamkeit. Oder nur einen liebevollen Blick , von der Liebe selbst ganz zu schweigen. Und ohne ein Gegengeschenk zu erwarten. Auch das ist eine Kunst.

C Text/Bild Troesser