Ach du süße Psychoanalyse

Psychoanalyse

Ach du süße
Psychoanalyse

Umwebst wie ein
Heilender Engel mich

Vergreif Dich an mir
Verschwöre meine Ängste
Vergittere meine Abgründe
Vergewaltige meine Zweifel
Verstoße meine Lügen
Verteufle meinen Übermut
Verkläre meine Sinne

Entreiße mir den unsichtbaren
Stachel meiner Ängste
Und lass mich allein
Mit meiner
Keimenden
Kraft

Für wen

Für wen lebst Du
Wenn nicht für Dich

Für wen träumst Du
Wenn nicht für Dich

Für wen lügst Du
Wenn nicht für Dich

Für wen stirbst Du
Wenn nicht für Dich

Kein anderer dringt
In Dein Innerstes ein

Kein anderer versteht
Den tiefsten Sinn
Deines Seins

Frau Entfremdung

Am Abend geht
Frau Entfremdung
Auf die Jagd nach den Seelen
Die sich gefunden zu haben glauben
Sie schleicht durch die Rillen
Des guten Willens zum anderen hinüber
Und ergreift die Regie

Sie packt unsere Zunge und lässt sie
Wörter sprechen ihrer unheilsamen Welt
Führt unsere Hände
Wie an glühenden Drähten
Diktiert uns ihr auswegloses Alphabet
Keiner entkommt ihrer
Einmal ergriffenen Macht

Mit Kraft zerreibt sie Gefühle
Zwischen Menschen
Mit höhnischem Blick
Pustet sie den Staub
Der Hoffnung hinweg
Um ihre eigene Hölle damit zu schüren

Wir sprechen
Wir beten
Wir schweigen
Wir weinen

Wir entgehen ihr nicht

Verdrängung

Verdrängung
Ist die listige Schwester
Des Vergessens

Unter der
Glasglocke
Der Vergangenheit
Kommt sie
Zu kurzem Leben

Wenn man sie
Am wenigsten
Vermisst

Überall

Überall: Menschen kurz vor dem Verfall
Überall: Anbiederungen Verzweifelter nach Zuneigung
Überall: Einsamkeitslöcher
Überall: Zwickmühlen, in denen sich Hilflose winden
Überall: Ratschläge, die keine Auswege sind

Angst

Jede Angst
Vor der Zukunft
Ist in Wahrheit
Angst vor der
Gegenwart

Jede Angst
Vor der Gegenwart
Ist in Wahrheit
Angst vor der
Zukunft

Jede Angst
Vor dem Anderen
Ist in Wahrheit
Angst vor uns
Selbst

Anstatt dem Leben

Anstatt dem Leben
In die Augen
Zu fühlen
Verstrickst Du dich
In deinen Traum

Anstatt Verantwortung
Zu übernehmen
Versteckst du dich
Im Nebel selbstverliebter
Hintertüren

Anstatt im Wind
Zu stehen
Spielst Du mit
Den Möglichkeiten
Deiner Fantasie

Anstatt zu sein
Lebst Du den
Spiegel
Deines Seins

Gewonnen verloren

Verloren ist
Der ewig klagt
Und ängstlich an der
Zukunft nagt

Verloren ist
Der Egoist
Der selbstgefällig
Du vergisst

Gewonnen hat
Am Ende der
Der Dramen nimmt
Ganz leicht, nicht schwer

Gewonnen hat
Der kleine Held
Der jedes noch so kleine Du
An seine schönste Seite stellt

Schwindel

Schritte
Versagen sich
Dem Gebot
Der Sekunden
Verlorene
Meridiane
Ringen nach Luft

Die Mitte verloren
Suchen
Pupillen
Drehend Halt
An der unsichtbaren
Wand der
Gewissheit

Ausgetaumelt
Krallt sich das Sein
Am Jetzt
Und am Du
Schwer das Vergessen
Wenn Angst
Ständig siegt