Die Berge – große Gefühle zwischen Himmel und Erde

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Bald ist es wieder soweit. Wenn im Sommer für die einen die Ferien, die anderen der Urlaub beginnt, kommt bei vielen wieder die oftmals konditionierte Sehnsucht nach Höhe oder Tiefe, nach Meer oder Berge auf. Diese Sehnsucht, die heimische Mittelmäßigkeit und Enge zu verlassen, um in der Weite ein Stück Unendlichkeit zu fühlen und wieder Kraft für die sich immer wiederholende Alltagskultur zu tanken.

Dieses Faszinosum Bergwelt war durchaus nicht immer so. Mitte des 18.Jahrunderts reiste der Philosoph Johann Joachim Winckelmann mehrfach nach Italien, um dort die Schönheit der Antike zu genießen. Doch beim Überqueren der Alpen ließ er jedes Mal die Fenster seiner Kutsche verdunkeln, weil die Steinmassen seine Vorstellung von Schönheit störten.

Der Berg, die Gebirge oder die Alpen waren über Jahrhunderte weder Projektionsfläche romantischer Fantasien, noch kitschiger Gefühle oder sportlicher Herausforderung. Sie waren schlicht nur gefährlich, oft unüberwindbar oder erzeugten Angst.

Das änderte sich erst im 19.Jahrhundert, als z.B. Goethe, angetan von den Schluchten der Alpen, schrieb: “Kaum nahe ich mich den Bergen, werde ich schon wieder vom Gestein angezogen“.

Von da an wurden der Berg, das Gebirge bis heute Inhalt romantischer Phantasien, kitschiger  Überhöhungen oder dramatischer Darstellungen in Gemälde, Foto und Film: „Heiiiidiiii, Heiiiidiiii, deine Welt sind die Berge!“ Bis heute verspricht uns der Bergdoktor als TV-Serie den Blick aus dem tristen Wohnzimmeralltag in die unendliche, glasklare Weite und gefährlichen, vernebelten Abhänge der Natur wie die der Liebe und Sehnsucht gleichermaßen.

Warum haben Berge eine so große Faszination auf Menschen? Es ist vor allem die Spannung zwischen tödlicher Gefahr (1300 Bergsteiger verunglücken tödlich in 100 Jahren) und lebensrettender Zuflucht (z.B. in alpinen Höhlen), die Spannung zwischen Angst (Beim Aufstieg) und Stolz (Am Gipfelkreuz), diese Ambivalenz zwischen sich klein zu fühlen und dabei so unglaublich weit zu sehen wie nie zuvor. Ein sprichwörtlich grenzenloser Blick in die Ferne der Welt oder aus der Welt hinaus. So ist die Bergwelt eine gewaltige, vielfältige und abwechslungsreiche eigene Welt. Sie ist ein Spannungsfeld zwischen Triumph und Tragödie, Ort unendlicher Gotteserfahrung und sportlicher Ansporn gleichermaßen – oder wie Alexander von Humboldt formuliert: „Eine Welt, die unser poetisches Naturempfinden und unsere Phantasie ins Grenzenlose führt“

Eros und Einsamkeit, Verklärung und Verschmelzung, Erbauung  und Entgrenzung zwischen Himmel und Erde. Ein jede Phantasie bedienender Freiraum, wenn es eben auf der Alm keine Sünde  gibt, so wie es im Diddelhammer von Dschinghis Kahn trefflich besungen wird:

 „Doch die Frauen der Touristen stiegen auf den Berg
und sie kamen selig lächelnd zurück.                                            

Und der Pfarrer sprach: “ Das ist doch alles Teufelswerk “
und der Bürgermeister sprach:

„So ein Glück, die Touristen kommen dank Dudelmoser

“ Dudel dudel dudel di dei
kaufen Bier und Hüte und Lederhosen 

das kann keine Sünde nicht sein.“Nein nein nein“. (Songtext/Auszug/https://www.songtexte.com/songtext/dschinghis

Na dann: Schönen Urlaub!

C Bild/Text Michael Troesser